Gut, dass wir die Griechen haben!

Jetzt regen sie sich wieder auf über die Griechen: Politiker, Journalisten und BILD-gesteuerte Wutbürger. Ich bin aber der Meinung, wir können den Griechen dankbar sein. Warum?

Die Griechen, besser gesagt die neue griechische Regierung, legt den Finger in die Wunde einer verfehlten Rettungspolitik. Durch den Widerstand der Griechen kommt jetzt eine interessante Zahl an die Öffentlichkeit: 77 Prozent der finanziellen Hilfen an Griechenland im Gefolge der Krise gingen an den Finanzsektor. Geradestehen für die Hilfen müssen aber alle griechischen Bürgerinnen und Bürger. Im Klartext: Wir haben die Banken gerettet und zwar auch unsere eigenen Banken, die mit 271 Mrd. Euro in griechischen Papieren investiert waren. Die ganzen Jahre aber schlugen wir mit dem Knüppel auf die Griechen, weil die gefälligst unsere “Hilfen” abarbeiten sollten. Ein hohes Maß an Heuchelei und Selbstgefälligkeit. Das selbstbewusste Auftreten der Syriza-Regierung spült jetzt Tatsachen an die Oberfläche, die gerne verdrängt werden.

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras wirft den EU-Verhandlern darüber hinaus vor, die neue griechische Regierung untergraben zu wollen. Bei den Verhandlungen sei ein für Griechenland akzeptabler Kompromiss-Vorschlag vor Beginn der Verhandlungen zurückgenommen und durch ein konfrontatives Papier ersetzt worden. Ziemlich undurchsichtige Vorgänge. Hier spielt wohl jemand falsch.

Die Tatsachen müssen auf den Tisch. Nur wenn wir die Fakten sehen, dann ist der Euro zu retten. Wir brauchen eine neue Solidarität gegen die Machenschaften des Finanzsektors in Europa. Er lebt auf Kosten von uns allen. Die Banken gerieren sich als Säulen der Wirtschaft, ohne sie drohe Hunger und Untergang. Wer das glaubt, wird nicht selig. Gut, dass wir die Griechen haben.

von Dr. Christian Weilmeier

Quellen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/eurokrise-hat-die-eu-griechenland-gerettet-oder-banken-a-1018964.html

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/alexis-tsipras-kritisiert-schaeuble-soll-andere-bemitleiden-13434088.html

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Wie man es zum richtigen Verlierer bringt – Erfolg kann doch jeder

Erfolgreich sein kann doch jeder. So bringt man es aber zum richtigen Verlierer. Dr. Christian Weilmeier, Philosoph und Motivationstrainer, gibt Tipps, wie man es schafft, dass es steil abwärts geht, man alles verbockt und am Schluss als echte Niete dasteht.

Zum Video:

http://youtu.be/pd4RT6bqwNM

 

Achtung Comedy!

Wie die Euro-Krise eine europäische Nation schaffen könnte

Der Satz “Es gibt keine europäische Öffentlichkeit/kein europäisches Staatsvolk.” scheint eine allgemeine Weisheit, die sogar das Bundesverfassungsgericht teilt. Aber stimmt das noch? Es scheint so, dass gerade die Euro-Krise die Völker Europas zusammenschweißt. Es ist die Dialektik der Geschichte.

Zum YouTube Video:

http://youtu.be/PEPLc-SvEp8

BRUSSELS BUBBLE: Die EU-Politik blamiert sich bei Zypern-Rettung

Heute starte ich auf YouTube meine neue Video-Reihe “Brussels Bubble”. Brussels Bubble steht international als Fachbegriff für den Brüsseler EU-Politikbetrieb. Die erste Folge beschäftigt sich mit der “Zypern-Rettung”.

Zum Video auf Youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=QGmv9m8RiDc

Euro-Kritik in der parteipolitischen Falle

Ich halte es für problematisch, dass die Euro-Kritik sich jetzt durch das Auftreten der Alternative für Deutschland AfD parteipolitisiert. Die Auswirkungen spüre ich schon und sie werden stärker werden. Euro-Kritik ist keine rein konservative oder liberale Angelegenheit. Auch viele Linke kritisieren das undemokratische und selbstherrliche Gebaren der Euro-Retter. Die Kritik am Eurowahn wird jetzt in die parteipolitische Kiste gesperrt, wo sie nicht hingehört. Man merkt, dass Parteien in ihrer alten Form nicht mehr recht in die Zeit passen. Sie verleiten einen dazu, an ideologischen Fronten zu kämpfen, die in der Welt außerhalb Deutschlands längst veraltet sind. Ich kann mich ideologisch in dieses enge Korsett nicht einordnen.

Die AfD entwickelt sich von ihrer Struktur her zu einer konservativen oder rechtsdemokratischen Partei. Es werden zum Euro noch weitere Themen hinzukommen, die aus dem konservativ-bürgerlichen Weltbild kommen. Die Kritik an den Euro-Rettungsversuchen bekommt damit eine bestimmte parteipolitische Farbe und Einordnung, die viele nicht mehr mitmachen können. Viele Euro-Kritiker kommen aus dem linken oder basisdemokratischen Lager, viele andere sind eher undogmatische Pragmatiker und wollen nicht für eine bestimmte Weltanschauung vereinnahmt werden. Das gilt auch für mich. Ich kritisiere seit Jahren öffentlich die verfehlten Euro-Rettungsmaßnahmen, bin aber kein Konservativer und auch kein Vertreter einer bürgerlich-behäbigen Gesinnung. Es ist eine verfehlte Entwicklung, die Euro-Kritik in eine Parteiform nach altem Muster zu zwängen.

Ich spreche jetzt gar nicht darüber, ob der Stil der AfD richtig ist. Mit rechthaberischer Faktenhuberei und professoraler Arroganz kommt man nicht weit. Es hat keinen Sinn über gebrochene Verträge und Versprechen zu greinen, sondern man muss mit beiden Beinen in der Wirklichkeit stehen. Die Welt dreht sich weiter. Es kann durchaus sein, dass der Bundesstaat Europa die einzige Chance ist, dass wir in Zukunft noch irgendwas in der Welt zu melden haben, dass wir nur durch einen europäischen Staat die Freiheit behalten, über unser Leben zu entscheiden. Es geht bei der Euro-Kritik nicht um Ja oder Nein zu Europa, sondern es geht darum, dass die Menschen kontrovers informiert werden, was die Optionen sind und dass dann eine Entscheidung fällt.

Ein Bundesstaat Europa wäre kein Zuckerschlecken. Wir hätten die Verantwortung einer Großmacht, bräuchten höhere Militärausgaben, einen schlagkräftigen Geheimdienst und wären in viele Konflikte verwickelt. Auch die inneren Spannungen in Europa wären enorm, bis so ein Staat zusammengewachsen ist. Kein ruhiges Leben, aber wenn es die Menschen wollen, dann kommt es. Jetzt geht es darum, die Politik daran zu hindern, die finanziellen Grundlagen dieses Europas zu zerstören. Jetzt geht es darum, den Menschen eine Wahl zu geben, jetzt geht es darum für ein demokratisches Europa zu kämpfen. Dafür braucht es Persönlichkeiten und keine veralteten Parteistrukturen. Für einen seichten Aufguss der 80er Jahre ist keine Zeit mehr, wir sollten das Publikum nicht mit diesem Gedöns langweilen.

Euro-Kartell enteignet die Sparer

Die Euro-Retter werfen den Euro-Kritikern vor, dass sie populistisch seien. Dabei sind die Euro-Retter doch die Ober-Populisten. Oder was soll die Behauptung, es gehe in Zypern nicht um eine Enteignung der Sparer, sondern nur um die Schwarzgeldkonten der russischen Oligarchen. Böser Russe, böser Milliardär, böses Schwarzgeld. Wenn das keine primitiven Feindbilder sind. Die Oligarchen werden nicht arm, wenn man ihnen ein paar Euro nimmt, aber die Masse der kleinen Sparer trifft es. Noch absurder: Zypern fördert ab 2017 Erdgas und hätte ein Drittel seiner Einnahmen an den ESM verpfändet. Die EU hat das abgelehnt. Anscheinend wollte sie um jeden Preis einen Probelauf zur Sparerenteignung machen.

Das Sagen in Europa haben nicht mehr die Bürger oder die von ihnen gewählten Repräsentanten in den Parlamenten, sondern ein Euro-Rettungskartell. Dieses setzt sich zusammen aus Regierungsvertretern, EU-Funktionären und internationalen Organisationen. Verantwortlich ist dieses Kartell nicht den Bürgern, sondern nur sich selbst und den Lobby-Gruppen, die sich dort Zugang verschaffen. Diese Lobby ist die Bank- und Finanzindustrie. Auch in Zypern kann man wieder beobachten, wie die Entscheidungen vor allem den Banken nutzen. Anstatt die Gläubiger zu belangen, also diejenigen, die mittels Anleihen den zypriotischen Banken Geld geliehen haben, werden die Spareinlagen einteignet. Die Sparer bekommen dafür nichts, nicht einmal Anteile an der Bank. Die Banken hingegen profitieren voll, denn die Herabsetzung der Depositenguthaben der Kunden bedeutet bilanziell eine Mehrung des Eigenkapitals der Banken. Super gelaufen für die Banklobby.

Warum werden nicht die Schuldigen der Krise belangt, sondern die Sparer? Ganz einfach, weil die Sparer nicht die Telefonnummer von Frau Merkel haben. Sie können sich nicht wehren, oder sagen wir besser, sie wollen sich bis jetzt nicht wehren. Die Politik verspielt immer mehr Vertrauen. Auch in Zypern waren Einlagen bis 100 000 Euro staatlich garantiert, wie bei uns. Über Nacht wurde dieser Rechtsanspruch mit einem Federstrich beseitigt. Wieder ein Rechtsbruch, wieder wurde gelogen, wieder wurden die Bürger abgezockt. Wenn das Euro-Rettungskartell damit in Zypern durchkommt, dann werden andere Länder folgen. Nichts ist mehr sicher, auch nicht in Deutschland. Die Rechtsordnung wird Stück für Stück demontiert. Wir erleben die Wende vom Rechtsstaat zum Machtstaat. Wer die Macht hat, der hat das Recht und die Macht hat der, der über Armee und Polizei verfügt. Punkt.

Soweit ist es mit uns gekommen. Die Wirkung des Euro auf unsere Gesellschaften und Demokratien ist vernichtend. Die Erfolge der Nachkriegszeit werden verheizt auf dem Altar der Euro-Religion. Ungeschoren bleibt nur die Finanzindustrie und die Politik, weil sie über die bewaffnete Macht verfügt. Das ist die bittere Wahrheit. Trotz allem Ärger bei den deutschen Bürgern, herrscht noch immer ein Grundvertrauen in die politische Klasse unseres Landes wegen der Erfolge der Nachkriegszeit. Dieses Grundvertrauen wird jetzt immer weiter verspielt. Wenn die Bürger am Ende den Mächtigen gar nichts mehr glauben, dann erkennen sie, dass der Kaiser nackt ist. Wie lange das dauert, weiß niemand. Zypern aber zeigt, dass sich die Mächtigen offenbar so sicher fühlen, dass sie nicht einmal mehr eine Beruhigungsstrategie fahren. Die Einschläge kommen näher, es wird Zeit den Gehörschutz abzunehmen.