Politik-Artikel künftig nur noch auf meinem neuen Blog weilmeier.de

Ich habe mich entschlossen, die Themen zu trennen. Hier auf diesem Blog stelle ich nur noch meine Philosophie-Videos ein.

 

Politische Artikel in meinem bekannten Stil wird es künftig nur noch auf meinem neuen, besser gestalteten, Blog geben:

http://www.weilmeier.de/

 

Er ist auch erreichbar unter

https://weilmeier.wordpress.com/

 

Also bitte den Blog wechseln, wenn ihr nicht speziell an Philosophie interessiert seid.

Ich freue mich, wenn ihr weiter dabei bleibt.

Dr. Christian Weilmeier

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Papstreden: Opium für Kirchen-Bürokraten

Der neue Papst Franziskus will also „an die Peripherie gehen“, da wo die Armen und Ausgestoßenen sind, da soll die Kirche hin. Die Kirche soll Evangelisieren und nicht selbstbezogen um sich kreisen. Klingt gut, aber die Voraussetzung dafür ist doch, dass die Kirche überhaupt weiß, was sie will. Welchen Glauben will sie verkünden, welchen Jesus denn? Frage 3 Theologen und du bekommst 4 Antworten.
Oder will der Papst überhaupt mit dem vielen Theologisieren Schluss machen, die Theologen entmachten und zur Tat schreiten in der Nachfolge Jesu. Da gibt es auch Andeutungen bei ihm, das wäre echt franziskanisch. Ich glaube aber nicht, dass er es wirklich so meint. Der Papst sieht die soziale Frage im Vordergrund, er kommt aus Lateinamerika. Dort gibt es auch einen Ansturm glaubensstarker Evangelikaler, die Druck auf die Kirche machen, sich zu bekennen und viele Katholiken abwerben. In Europa z.B. ist die Kirche aber schon in einer Glaubenskrise, die ja gerade durch das ganze Sozialengagement zugedeckt wird, es gibt keinen Druck erfolgreicher Glaubensradikaler von außen. Für den neuen Papst ist vieles selbstverständlich, was für viele gar nicht mehr selbstverständlich ist. Seine Reden sind Opium für deutsche Kirchen-Bürokraten.
Wenn man ein angeschlagenes und geschwächtes Reich ausdehnt, dann droht die imperiale Überdehnung. Vielleicht nicht in den glaubensstarken Regionen Afrika, Asien, Lateinamerika, aber in Europa. Hier müsste zuerst einmal der Kern der Botschaft gestärkt werden, man muss herausfinden, wo man vom Glauben her überhaupt steht, erst dann kann man nach außen gehen. Blinden Sozial-Aktionismus haben wir in der europäischen Kirche genug, erst müssten wir uns selbst neu evangelisieren, bevor wir die Anderen evangelisieren.

Das Ende des Papsttums

Natürlich verdient der Papst Respekt für seine Entscheidung zum Rücktritt. Trotzdem hat dieser Schritt aber auch eine Schattenseite. Es kann gut sein, dass er den Anfang von Ende des mystischen Charakters des Papstamtes markiert. Bisher trat kein Papst zurück, egal wie schlecht es ihm ging. Er war ein von Gott ausgewählter, ja Gezeichneter. Papst war nicht irgendein Amt. Ein Papst verließ den Vatikan nur noch mit den Füßen nach vorne. Das gab dem Amt auch die Aura und die Autorität und die Macht.
Jetzt aber wirkt das Amt seltsam entmystifiziert. Ein alter Mann fühlt sich schwach und geht – wie ein Bundeskanzler, der amtsmüde geworden ist. Ein schaler Beigeschmack bleibt. Die Geschichte wird es zeigen, aber es kann gut sein, dass Ratzinger das Amt beschädigt hat. Sein Nachfolger wird sich daran messen lassen müssen. Geht der dann auch wieder, wenn er zu schwach ist oder keine Lust mehr hat?
Bisher wurde noch kein rechtmäßiger Papst von Gegnern zum Rücktritt gezwungen. Kommt das jetzt auch noch? Wird das Papstamt ein ganz normales Wahlamt? Die ersten deutschen Theologen fordern das schon. Womöglich hat Ratzinger das Papsttum beschädigt. Wir erleben das Ende des uns bekannten Papsttums. Wieder ist die Welt nüchterner und weniger mystisch geworden.