Politik-Artikel künftig nur noch auf meinem neuen Blog weilmeier.de

Ich habe mich entschlossen, die Themen zu trennen. Hier auf diesem Blog stelle ich nur noch meine Philosophie-Videos ein.

 

Politische Artikel in meinem bekannten Stil wird es künftig nur noch auf meinem neuen, besser gestalteten, Blog geben:

http://www.weilmeier.de/

 

Er ist auch erreichbar unter

https://weilmeier.wordpress.com/

 

Also bitte den Blog wechseln, wenn ihr nicht speziell an Philosophie interessiert seid.

Ich freue mich, wenn ihr weiter dabei bleibt.

Dr. Christian Weilmeier

Frankreich am Abgrund

Frankreichs glückloser Präsident Hollande will es wissen und versucht die Arbeitsrechtsreform mit Hilfe des herrschenden Notstandsrechts durchzudrücken. Die Proteste dagegen werden immer extremer bis hin zu Körperverletzungen. Ein Land im Ausnahmezustand, im wahrsten Sinne des Wortes, denn in Frankreich gilt noch immer der formell erklärte Ausnahmezustand. Allein das ist schon ein Unding, so lange das Ausnahmerecht in Geltung zu lassen. Fast hat man den Eindruck, es sei für die herrschenden Poltiker ganz bequem so.

In den Medien wird jetzt oft geschrieben, dass Frankreich endlich diese überfälligen Reformen tätigen sollte, dann könnte es wieder zu Deutschland aufschließen. Die Lage ist aber komplexer. Es geht heute nicht mehr um die schöne neoliberale Welt, in der man nur ein paar Reformen, sprich Liberalisierungen, machen muss und dann ist alles gut. Dieser naive Wirtschaftsglaube der letzten Jahrzehnte bröckelt immer weiter ab. Was die Lage so dramatisch macht, ist eben gerade, dass die einfachen Rezepte fehlen. Die Franzosen wissen ja, dass es so nicht weitergehen kann, ihnen fehlt aber der Glaube an die einfachen Rezepte der Globalisten. Diese sind so unglaubwürdig geworden, wie die streikenden, kommunistischen Gewerkschafter. Das ist der Abgrund, an dem Frankreich steht. Und nicht nur Frankreich, sondern alle Staaten Europas. Das ist ein Grund für das Aufbegehren, das oft noch mit irrlichternden Rezepten hausieren geht. Noch kennt niemand den neuen Weg und bis dahin werden die alten Gespenster beschworen.

von Dr. Christian Weilmeier

Boualem Sansal und die islamische Weltverschwörung

Es gab einmal Zeiten, da fand man Atheisten und Religionskritiker auf Seiten der Aufklärung, der Vernunft, der abwägenden Sachlichkeit und Wissenschaftlichkeit. Dabei waren es oft auch Schriftsteller, die sich auf diese Weise profilierten. Jetzt scheint der Atheismus eine neue Fraktion herausgebildet zu haben: der Hetzer und Verbreiter von Horrorvisionen.

Der bekannte algerische Schriftsteller Boulem Sansal und sein neuer Roman „2084. Das Ende der Welt“ ist ein Beispiel dafür. In vielen Artikeln verweise ich immer wieder auf die Tatsache, dass die Islamkritik und Islamfeindschaft vor allem getrieben wird von einer Gegnerschaft zu allen Religionen, auch wenn etwas anderes vorgeschützt wird. Der Islam ist nur Platzhalter, weil er gerade besonders expandiert und radikal auftritt. Das Christentum wäre genauso dran, wenn es aus seinem modernistisch-aufgeklärten Palast ausbrechen würde.

Das Interview, das Sansal der Zeitung DIE WELT gab, ist sehr aufschlussreich. Ich habe es deswegen unter diesem Artikel verlinkt. Er malt die Horrorvision der Machtübernahme eines Kopf-Ab-Islam in Europa. Wir seien alle am Ende, es sei aus mit diesem Kontinent und bald schon kommt der Islam und macht uns allen den Garaus. Dabei versteigt er sich zu steilen Thesen, z.B. dass der Islam die Liebe bekämpfe und überhaupt eine ganz abscheuliche Sache sei. Er selbt ist Atheist und sieht Religionen überhaupt kritisch. Der Islam kommt ihm dabei gerade recht.

Boualem Sansal erweckt den Eindruck, dass es eine überschaubare Zahl von mörderischen, islamistischen Fundamentalisten sei, die uns alle und auch die Menschen in den islamischen Ländern bedrohe. Zugleich spricht er davon, dass in Alegerien in den vergangenen Jahren tausende neuer Moscheen enstanden sind und auch die Jugend in der Türkei sich dem Islam zuwendet und religöser wird. Soll das alles von dieser kleinen Mörder-Clique gesteuert sein? Sansal bastelt hier an seiner eigenen Version einer islamischen Weltverschwörung.

In Wirklichkeit gibt es im ganzen islamischen Raum eine Wiederkeht des religiösen Bewusstseins, die Menschen wenden sich wieder Gott zu, gerade auch die Jugend. Das ist eine Massenbewegung, ein Paradigmenwechsel größten Ausmaßes. Darüber hinaus gibt es dann auch noch Muslime, die sich dem Terror verschrieben haben. Das ist eine viel kleinere Gruppe. Dies kann man nicht alles in einen Topf werfen und damit ein Gruselgemälde malen, wie Sansal es tut. Es tut es dennoch, weil er den religiösen Aufbruch an sich diskreditieren will, ganz der Religionskritiker eben. „Die Rückkehr des Religiösen, vor allem bei den jungen Leuten, kontaminiert die ganze Gesellschaft …“, so Sansal im WELT-Interview. Mit dem Verb „kontaminieren“ will er diffamieren und denunzieren. Das ist das Gegenteil von Aufklärung.

In der Tat leben wir in einer Zeit, in der die Religion wiederkehrt. In Russland z.B. werden immer mehr Klöster und Kirchen gebaut bzw. restauriert. Die Menschen strömen in die Gottesdienste und finden zurück zum Glauben. Dagegen steht ein Atheismus, eine Religionskritik, die sich in ihrer Gegnerschaft immer mehr dem Ressentiment und der dumpfen Hetze ausliefert. Es gehört zur Aufklärung, gerade das aufzudecken.

von Dr. Christian Weilmeier

Link zum WELT-Interview:

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article155752745/Der-Islam-wird-unsere-Gesellschaft-aufsprengen.html

 

Renaissance der Religion

In Algerien wurden in den letzten 16 Jahren mehr Moscheen gebaut als im ganzen letzten Jahrhundert. Es gibt einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel, die Religion wird stärker. Der maximale Gegensatz zum Westen. Auch in Russland gibt es ähnliche Entwicklungen. Es offenbart sich eine veritable Gegenkultur zum Westen. Der Westen versucht dagegen mit Geld, Bomben und Raketen anzugehen. Mehr hat der Materialismus nicht in seinem Instrumentenkasten.

Quelle:

http://www.welt.de/politik/ausland/article152741284/Wird-Algerien-gerade-zum-naechsten-Syrien.html

Luftnummer-Optionen im Kampf gegen den IS

An allen Ecken und Enden wird der Kampf gegen den IS gepredigt. Jetzt müsse aber endlich aufgeräumt werden. Ein paar Elite-Soldaten reinschicken, bambam und fertig. So stellt sich das der Normal-Journalist vor, wenn er seine überlegungsfreien Artikel schreibt. Es ist notwendig, die Optionen einmal wirklich zu durchdenken.

Luftangriffe: Diese werden schon länger durchgeführt und sie haben durchaus Wirkung. Der IS kann kaum noch einen längeren Konvoi durch sein Herrschaftsgebiet schicken, ohne beschossen zu werden. Auch Tanklaster werden getroffen, was für den IS Einnahmeverluste bringt usw. Besiegen kann man den IS damit aber nicht. Luftangriffe allein sind dafür nicht ausreichend.

Bodenoffensive der Anti-IS-Koalition: Ein paar Elite-Soldaten genügen dafür nicht, aber mit einigen zehntausend Soldaten könnte man in der Tat den IS vernichten. Allerdings bedeutet das blutige Kämpfe, vor allem wenn sich IS-Kämpfer zur Endschlacht in die Städte zurückziehen. Letztendlich wäre ein Sieg möglich. Allerdings würde dieser Sieg nichts bringen. Die Anti-IS-Streitmacht befände sich dann in der Position einer Besatzungsmacht. Wie das ausgeht, konnte man im Irak und in Afghanistan beobachten. Die Bevölkerung akzeptiert keine Fremdherrschaft, schon nach kurzer Zeit entstünde eine neue Terrortruppe und das Spiel begänne von neuem.

Bodenoffensive von einheimischen Soldaten, ausgerüstet und trainiert von der Anti-IS-Koalition: Das hört sich schon besser an und ist daher auch die zurzeit favorisierte Option. Alles toll sagen die westlichen Strategen. Wir formen eine regionale Armee, bilden die z.B. in der sicheren Türkei aus und schicken sie dann nach Syrien. Dort besiegen sie den IS und werden von der Bevölkerung als Einheimische akzeptiert. Zwei Dinge werden dabei allerdings nicht bedacht: Die USA haben so etwas schon versucht und sind damit grandios gescheitert. Es fanden sich kaum zuverlässige Kämpfer, von den wenigen, die sich fanden, sind viele abgehauen und haben ihre Waffen verkauft. Darüber hinaus: Welches Bild ruft eine von auswärtigen Mächten aufgestellte, im Ausland geschulte und mit einem ausländischen Auftrag versehene Truppe hervor? Richtig, das Bild einer Söldnerarmee. Schnell käme der Vorwurf auf, das seien doch alles bezahlte US-Söldner, denen könne man nicht trauen. Womit wir wieder beim Thema Besatzungsmacht wären, siehe oben.

Es wird deutlich, alle bisher auf dem Tisch liegenden Optionen erweisen sich näher besehen als Luftnummer. Die Lehre der Geschichte lautet: Wer einen Krieg beginnt, sollte wissen, wie er wieder rauskommt. Wir sollten uns zugestehen, dass wir noch nicht genug wissen und uns nicht aus Überheblichkeit und Selbstgewissheit jetzt in einen Krieg stürzen.

von Dr. Christian Weilmeier

Putins Rätsel in Syrien

Wieder einmal hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Welt überrascht. Er lässt in Syrien aufmarschieren. Der Westen grübelt, was das zu bedeuten hat. Was führt Putin im Schilde? Mögliche Antworten:

  1. Putin will sich beim Westen einschmeicheln. Es geht ihm nur darum, sich bei US-Präsident Barack Obama beliebt zu machen, damit die Sanktionen aufhören unter denen Russland leidet. Der Schlüssel dazu soll das Angebot eines gemeinsamen Kampfes gegen den Islamischen Staat sein. Gegen die Theorie spricht: Putin könnte sich einfach der bestehenden Anti-IS-Allianz anschließen. Fazit: Kann schon was dran sein, aber das Hauptmotiv ist das sicher nicht.
  2. Putin will das Regime von Assad retten. Gegen die Theorie spricht: Aus Russland verlautet seit Wochen, dass man nicht an der Person Assad hängt. Fazit: Assad um jeden Preis zu unterstützen, das wäre unklug. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Putin einfach eine Art säkulares, berechenbares und russlandfreundliches Regime behalten will, egal wer dieses führt.
  3.  Putin will Syrien spalten. Russland-Korrespondent Benjamin Bidder weint im SPIEGEL, dass Putin Syrien spalten will, um wenigstens in einem Teil die Ordnung wieder herzustellen. Er tut so, als sei das eine perfide Machtstrategie des Kremls. Das ist wieder die Moralkeule gegen den bösen Putin. Bidder übersieht, dass auch das Londoner Internationale Institut für strategische Studien (IISS) von einer De-faco-Teilung Syriens spricht, die man jetzt nicht rückgängig machen könne und mit der man vorerst leben müsse. Realpolitiker Putin zieht also nur die Konsequenzen aus einer Einsicht, die auch dem Westen mittlerweile dämmert.
  4.  Meine These: Putin ist Pragmatiker. Er braucht weiter seinen Marinestützpunkt im syrischen Tartus und will die Präsenz Russlands im Nahen Osten sicherstellen. Assad ist schwach und braucht Hilfe. Also kommt Putin und baut den Marinestützpunkt Tartus aus. Darüber hinaus belegt er einen Flughafen in der großen syrischen Hafenstadt Latakia und kontrolliert damit wesentliche Teile der syrischen Küste. Solange Russland nicht ins Land ausgreift ist diese Position leicht zu halten. Sie sichert ihm Mitspracherecht und Handlungsfreiheit egal, was passiert. Putin nützt eine günstige Gelegenheit, ohne den großen Master-Plan zu haben.

von Dr. Christian Weilmeier

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-was-wladimir-putin-mit-seinen-militaerhilfen-erreichen-will-a-1052907.html

http://orf.at//stories/2298862/