Die Globalisierung hat fertig

Seit über 30 Jahren ist sie nun das Mantra jeglicher Wirtschaftspolitik: Die Globalisierung. Freier Handel schafft Frieden, Entgrenzung der Märkte, Entgrenzung des Bankensystems, Entgrenzung des Arbeitsmarktes, Grenzen mussten weg, Grenzen sind schädlich. Gab es Probleme, dann mussten eben noch mehr Grenzen niedergerissen und noch mehr Lebensbereiche liberalisiert werden. Im Laufe der Jahrzehnte wurde dieses Dogma immer stärker, gefördert von einer gut geölten Lobby, bis sogar große Teile der etablierten Linken in den Chor der Liberalisierung einstimmten. Schröder lässt grüßen. Eine ganze Generation von Wirtschaftswissenschaftlern hat überhaupt nichts anderes mehr erlebt als diese Denkrichtung.

Für die Politik wurde die Welt immer einfacher. Wirtschaft wird in der Wirtschaft gemacht. Die Politik solle sich da raushalten, war die allgemeine Meinung. So entstand auch eine ganze Generation von Politikern, die nicht anderes kannte, als diesen Glaubenssatz. Und selbst die selbsternannte „Systemopposition“ in Form der AfD kann sich heute nichts anderes vorstellen, als genau diese Denke.

Jetzt aber ist die ganze Geschichte vor die Wand gefahren. Die Globalisierung hat fertig. Irre Finanzkrisen, deren Zeche der Steuerzahler übernimmt. Staatliche Ausgaben wurden so lange gekürzt, bis die Infrastruktur marode wurde. Das Reichtumsgefälle in den einzelnen Staaten hat dramatisch zugenommen. Der Mittelstand schwankt. (Zahlen pro und contra siehe in verlinkten Artikeln unten). Der Druck auf untere Lohngruppen steigt. Weltweit nehmen Kriege und Konflikte zu. Der Gegenwind für die Globalisierer wird schärfer, auch von politischen Widerstandsgruppen

Die Politik wird nervös. Mit Mindestlohn und Einschränkung von Leiharbeit will man ein bisschen gegensteuern, ohne das Problem an der Wurzel zu packen. Man will nicht lassen vom Globalisierungsdogma, siehe TTIP-Verhandlungen. Klar, denn ohne diesen Glaubenssatz wäre man ratlos. Die heutigen Politiker haben nichts anderes gelernt als in diesen Kategorien zu denken.

Vorgeschlagen wird nun eine Art „New Deal“, Staat und Bürger sollen in der Wirtschaft mehr mitreden, die Finanzmärkte gezähmt und ein großes Investitionsprogramm aufgelegt werden. Das ist alles gut gemeint, aber sehr schwammig. Wenn alte Glaubensweisheiten fallen, dann stehen nicht sofort die neuen Glaubenssätze vor der Tür. Eine Zeit der Unsicherheit und Ratlosigkeit hat begonnen. Niemand weiß, was am Ende dabei herauskommt.

von Dr. Christian Weilmeier

Links mit weiteren Zahlen:

http://www.welt.de/wirtschaft/article147405611/Das-ist-die-grosse-Gefahr-der-sterbenden-Mittelschicht.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/rechtspopulisten-wettlauf-gegen-die-irren-zeitgeister-kolumne-a-1094375.html

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/studie-des-diw-die-mittelschicht-schrumpft-1997710.html

http://www.zeit.de/2015/06/mittelschicht-deutschland-einkommen-staat

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