Warum ein Brexit unwahrscheinlich ist

In gut einem Monat stimmen die Briten darüber ab, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht. Brexit ja oder nein. Ein klare Frage und es ist gut, dass endlich darüber abgestimmt wird. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Briten für einen Brexit stimmen und das aus etlichen Gründen.

Landauf landab wird in den Medien der Brexit als Schreckensbild an die Wand gemalt. Zeitgleich mit der Machtübernahme von Hofer, Trump und Le Pen. Den Mainstream-Medien geht es dabei vor allem um Klicks und Auflage. Je krasser, desto mehr Profit. Bei nüchternem Nachdenken ergibt sich aber z.B. beim Brexit ein anderes Bild.

Sicher hat auch Großbritannien einige Nachteile aus der EU-Mitgliedschaft, aber die Vorteile überwiegen enorm. Die Muttersprache der Briten ist de facto Amtssprache der EU. Das bringt riesige Vorteile für britische Wirtschaftsvertreter, Medienleute und Politiker. Ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt. Dazu kommt die Macht der Londoner City. Der britischen Finanzindustrie stehen die Tore Europas für die vielfältigsten Geschäfte offen. Gerade auf diese Offenheit des Marktes ist sie angewiesen und profitiert über alle Maßen davon. London ist derzeit der weltweit führende Handelsplatz für den Euro, obwohl Großbritannien gar nicht im Euro ist. Jeden Tag werden in London mehr als doppelt so viele Euros gehandelt wie in allen 19 Euro-Staaten zusammen. In der britischen Hauptstadt werden mehr als 40 Prozent des weltweiten Devisenhandels abgewickelt. Diese Vorrangstellung ginge bei einem Brexit verloren. Die Londoner Finanzindustrie hat einen Anteil von 12 Prozent an der britischen Wirtschaft. Sie steht für 80 Mrd. Euro Steuereinnahmen des Staates.

Nicht vergessen werden darf die politische Seite. London sitzt überall in Europa mit am Tisch und kann mitbestimmen. Das bringt Einfluss, dadurch wird man in der Welt interessant. Das wäre nach einem Brexit vorbei. Noch dazu hat ja London ohnehin etliche Ausnahmeregelungen zugestanden bekommen, was dazu führt, dass es zwar mitreden kann, aber von den Konsequenzen gar nicht immer betroffen ist. Ein Austritt aus der EU würde Großbritannien politischen Einfluss kosten. Der Zugewinn an Souveränität wäre gering, weil Großbritannien ohnehin weniger Souveränität aufgegeben hat als z.B. Deutschland.

Man könnte also etwas ironisch formulieren, dass selbst ein britischer EU-Gegner gegen den Brexit stimmen müsste, weil ausgerechnet Großbritannien zu den extremen Profiteuren den EU zählt, im Gegensatz zu etlichen anderen EU-Mitgliedern. Das macht es in der Konsequenz sehr unwahrscheinlich, dass die Briten für einen Brexit stimmen. Nach neuesten Umfragen führen deswegen auch die Brexit-Gegner mit 15 Prozent. Warten wir es ab, wie die Abstimmung am 23.Juni tatsächlich ausgeht. In jedem Fall ist es aber gut, dass diese Volksabstimmung endlich stattfindet. Danach werden klare Verhältnisse für lange Zeit oder auf Dauer herrschen. Die schottische Abstimmung 2014 und die Abstimmung in der kanadischen Provinz Québec 1995 haben das gezeigt. Die Abspaltungstendenzen dieser Provinz sind jetzt schon seit Jahrzehnten vom Tisch. Volksabstimmungen sind bei solchen Streifragen ein gutes Instrument, um endlich zu klaren Entscheidungen zu kommen.

von Dr. Christian Weilmeier

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