Boualem Sansal und die islamische Weltverschwörung

Es gab einmal Zeiten, da fand man Atheisten und Religionskritiker auf Seiten der Aufklärung, der Vernunft, der abwägenden Sachlichkeit und Wissenschaftlichkeit. Dabei waren es oft auch Schriftsteller, die sich auf diese Weise profilierten. Jetzt scheint der Atheismus eine neue Fraktion herausgebildet zu haben: der Hetzer und Verbreiter von Horrorvisionen.

Der bekannte algerische Schriftsteller Boulem Sansal und sein neuer Roman „2084. Das Ende der Welt“ ist ein Beispiel dafür. In vielen Artikeln verweise ich immer wieder auf die Tatsache, dass die Islamkritik und Islamfeindschaft vor allem getrieben wird von einer Gegnerschaft zu allen Religionen, auch wenn etwas anderes vorgeschützt wird. Der Islam ist nur Platzhalter, weil er gerade besonders expandiert und radikal auftritt. Das Christentum wäre genauso dran, wenn es aus seinem modernistisch-aufgeklärten Palast ausbrechen würde.

Das Interview, das Sansal der Zeitung DIE WELT gab, ist sehr aufschlussreich. Ich habe es deswegen unter diesem Artikel verlinkt. Er malt die Horrorvision der Machtübernahme eines Kopf-Ab-Islam in Europa. Wir seien alle am Ende, es sei aus mit diesem Kontinent und bald schon kommt der Islam und macht uns allen den Garaus. Dabei versteigt er sich zu steilen Thesen, z.B. dass der Islam die Liebe bekämpfe und überhaupt eine ganz abscheuliche Sache sei. Er selbt ist Atheist und sieht Religionen überhaupt kritisch. Der Islam kommt ihm dabei gerade recht.

Boualem Sansal erweckt den Eindruck, dass es eine überschaubare Zahl von mörderischen, islamistischen Fundamentalisten sei, die uns alle und auch die Menschen in den islamischen Ländern bedrohe. Zugleich spricht er davon, dass in Alegerien in den vergangenen Jahren tausende neuer Moscheen enstanden sind und auch die Jugend in der Türkei sich dem Islam zuwendet und religöser wird. Soll das alles von dieser kleinen Mörder-Clique gesteuert sein? Sansal bastelt hier an seiner eigenen Version einer islamischen Weltverschwörung.

In Wirklichkeit gibt es im ganzen islamischen Raum eine Wiederkeht des religiösen Bewusstseins, die Menschen wenden sich wieder Gott zu, gerade auch die Jugend. Das ist eine Massenbewegung, ein Paradigmenwechsel größten Ausmaßes. Darüber hinaus gibt es dann auch noch Muslime, die sich dem Terror verschrieben haben. Das ist eine viel kleinere Gruppe. Dies kann man nicht alles in einen Topf werfen und damit ein Gruselgemälde malen, wie Sansal es tut. Es tut es dennoch, weil er den religiösen Aufbruch an sich diskreditieren will, ganz der Religionskritiker eben. „Die Rückkehr des Religiösen, vor allem bei den jungen Leuten, kontaminiert die ganze Gesellschaft …“, so Sansal im WELT-Interview. Mit dem Verb „kontaminieren“ will er diffamieren und denunzieren. Das ist das Gegenteil von Aufklärung.

In der Tat leben wir in einer Zeit, in der die Religion wiederkehrt. In Russland z.B. werden immer mehr Klöster und Kirchen gebaut bzw. restauriert. Die Menschen strömen in die Gottesdienste und finden zurück zum Glauben. Dagegen steht ein Atheismus, eine Religionskritik, die sich in ihrer Gegnerschaft immer mehr dem Ressentiment und der dumpfen Hetze ausliefert. Es gehört zur Aufklärung, gerade das aufzudecken.

von Dr. Christian Weilmeier

Link zum WELT-Interview:

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article155752745/Der-Islam-wird-unsere-Gesellschaft-aufsprengen.html

 

Die Globalisierung hat fertig

Seit über 30 Jahren ist sie nun das Mantra jeglicher Wirtschaftspolitik: Die Globalisierung. Freier Handel schafft Frieden, Entgrenzung der Märkte, Entgrenzung des Bankensystems, Entgrenzung des Arbeitsmarktes, Grenzen mussten weg, Grenzen sind schädlich. Gab es Probleme, dann mussten eben noch mehr Grenzen niedergerissen und noch mehr Lebensbereiche liberalisiert werden. Im Laufe der Jahrzehnte wurde dieses Dogma immer stärker, gefördert von einer gut geölten Lobby, bis sogar große Teile der etablierten Linken in den Chor der Liberalisierung einstimmten. Schröder lässt grüßen. Eine ganze Generation von Wirtschaftswissenschaftlern hat überhaupt nichts anderes mehr erlebt als diese Denkrichtung.

Für die Politik wurde die Welt immer einfacher. Wirtschaft wird in der Wirtschaft gemacht. Die Politik solle sich da raushalten, war die allgemeine Meinung. So entstand auch eine ganze Generation von Politikern, die nicht anderes kannte, als diesen Glaubenssatz. Und selbst die selbsternannte „Systemopposition“ in Form der AfD kann sich heute nichts anderes vorstellen, als genau diese Denke.

Jetzt aber ist die ganze Geschichte vor die Wand gefahren. Die Globalisierung hat fertig. Irre Finanzkrisen, deren Zeche der Steuerzahler übernimmt. Staatliche Ausgaben wurden so lange gekürzt, bis die Infrastruktur marode wurde. Das Reichtumsgefälle in den einzelnen Staaten hat dramatisch zugenommen. Der Mittelstand schwankt. (Zahlen pro und contra siehe in verlinkten Artikeln unten). Der Druck auf untere Lohngruppen steigt. Weltweit nehmen Kriege und Konflikte zu. Der Gegenwind für die Globalisierer wird schärfer, auch von politischen Widerstandsgruppen

Die Politik wird nervös. Mit Mindestlohn und Einschränkung von Leiharbeit will man ein bisschen gegensteuern, ohne das Problem an der Wurzel zu packen. Man will nicht lassen vom Globalisierungsdogma, siehe TTIP-Verhandlungen. Klar, denn ohne diesen Glaubenssatz wäre man ratlos. Die heutigen Politiker haben nichts anderes gelernt als in diesen Kategorien zu denken.

Vorgeschlagen wird nun eine Art „New Deal“, Staat und Bürger sollen in der Wirtschaft mehr mitreden, die Finanzmärkte gezähmt und ein großes Investitionsprogramm aufgelegt werden. Das ist alles gut gemeint, aber sehr schwammig. Wenn alte Glaubensweisheiten fallen, dann stehen nicht sofort die neuen Glaubenssätze vor der Tür. Eine Zeit der Unsicherheit und Ratlosigkeit hat begonnen. Niemand weiß, was am Ende dabei herauskommt.

von Dr. Christian Weilmeier

Links mit weiteren Zahlen:

http://www.welt.de/wirtschaft/article147405611/Das-ist-die-grosse-Gefahr-der-sterbenden-Mittelschicht.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/rechtspopulisten-wettlauf-gegen-die-irren-zeitgeister-kolumne-a-1094375.html

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/studie-des-diw-die-mittelschicht-schrumpft-1997710.html

http://www.zeit.de/2015/06/mittelschicht-deutschland-einkommen-staat

Mesut Özil in Mekka

Respekt Mesut Özil … und übrigens ein klasse Kommentar des Tagesspiegels (Link siehe unten). Er verweist auf die anti-religöse Haltung hinter der Integrations- und Islamdebatte. Ein Faktum, das auch immer wieder in meinen Postings auftaucht und das ich auch der AfD vorwerfe. Im Grunde geht es darum, dass AfDler und Konsorten vor wirklich religösen Menschen Angst haben, weil sie allein durch ihre Existenz den praktischen oder auch theoretischen Atheismus dieser Leute irritieren. Man will seine Ruhe haben und kleidet das in eine pseudo-aufgeklärte Islamkritik. Im Grunde geht es gegen jede Konfession. Petry fordert ja schon die Abschaffung des christlichen Religionsunterrichts.  Meine Position ist glasklar: Den Eifer für Gott werde ich niemandem vorwerfen. Diese Kraft ist größer als kleingläubiges Kritikastertum. Erneuerung kommt aus der Kraft und nicht aus der Schwäche.

von Dr. Christian Weilmeier

Link zum Artikel:

http://www.tagesspiegel.de/politik/pilgerfahrt-nach-mekka-mesut-oezil-und-die-ganz-grosse-oekumene/13637808.html

 

AfD-Fans mit Knick in der Optik

Ich bin nun seit 7 Jahren in sozialen Netzwerken aktiv und ich weiß, dass sich die Diskussion darin mittlerweile manchmal weit ab der Realität befindet. Dafür gibt es Gründe, über die schon geschrieben wurde. Ich mache mir nichts draus und sage weiter meine Meinung, auch wenn diese der aktuellen „Diskursrealität“ widerspricht. Daher will ich hier einigen Diskutanden, offenbar AfD-Fans oder Opportunisten, vor allem auf Facebook und Twitter zurufen, die sich offenbar „heißgeredet“ haben: Nicht die AfD hat 50 Prozent erreicht, sondern die FPÖ. Bei manchen ist die Optik verrutscht und sie sehen die „Bewegung“ schon unaufhaltsam auf dem Weg zur Macht, weil wir alle ja jetzt irgendwie 50 Prozent sind. Im selbstreferentiellen Debattensystem der sozialen Netzwerke scheinen manche durchzudrehen. Der grassierende Größenwahn der Oppositionsszene kann die etablierte Macht jedoch ruhig schlafen lassen. Die Demokratie hat noch eine Chance.

von Dr. Christian Weilmeier

 

 

Joseph de Maistre über Demokratie und Freiheit

Joseph de Maistre gilt neben Edmund Burke als einer der Begründer des europäischen Konservativismus. Im Video bringe ich ein paar Thesen dieses berühmten Kritikers von Demokratie und Freiheit. Dieses Video kann nur eine Anregung sein, sich mit diesem Denker zu beschäftigen. Seine Philosophie lässt sich natürlich nicht in ein paar Minuten darstellen.