Luftnummer-Optionen im Kampf gegen den IS

An allen Ecken und Enden wird der Kampf gegen den IS gepredigt. Jetzt müsse aber endlich aufgeräumt werden. Ein paar Elite-Soldaten reinschicken, bambam und fertig. So stellt sich das der Normal-Journalist vor, wenn er seine überlegungsfreien Artikel schreibt. Es ist notwendig, die Optionen einmal wirklich zu durchdenken.

Luftangriffe: Diese werden schon länger durchgeführt und sie haben durchaus Wirkung. Der IS kann kaum noch einen längeren Konvoi durch sein Herrschaftsgebiet schicken, ohne beschossen zu werden. Auch Tanklaster werden getroffen, was für den IS Einnahmeverluste bringt usw. Besiegen kann man den IS damit aber nicht. Luftangriffe allein sind dafür nicht ausreichend.

Bodenoffensive der Anti-IS-Koalition: Ein paar Elite-Soldaten genügen dafür nicht, aber mit einigen zehntausend Soldaten könnte man in der Tat den IS vernichten. Allerdings bedeutet das blutige Kämpfe, vor allem wenn sich IS-Kämpfer zur Endschlacht in die Städte zurückziehen. Letztendlich wäre ein Sieg möglich. Allerdings würde dieser Sieg nichts bringen. Die Anti-IS-Streitmacht befände sich dann in der Position einer Besatzungsmacht. Wie das ausgeht, konnte man im Irak und in Afghanistan beobachten. Die Bevölkerung akzeptiert keine Fremdherrschaft, schon nach kurzer Zeit entstünde eine neue Terrortruppe und das Spiel begänne von neuem.

Bodenoffensive von einheimischen Soldaten, ausgerüstet und trainiert von der Anti-IS-Koalition: Das hört sich schon besser an und ist daher auch die zurzeit favorisierte Option. Alles toll sagen die westlichen Strategen. Wir formen eine regionale Armee, bilden die z.B. in der sicheren Türkei aus und schicken sie dann nach Syrien. Dort besiegen sie den IS und werden von der Bevölkerung als Einheimische akzeptiert. Zwei Dinge werden dabei allerdings nicht bedacht: Die USA haben so etwas schon versucht und sind damit grandios gescheitert. Es fanden sich kaum zuverlässige Kämpfer, von den wenigen, die sich fanden, sind viele abgehauen und haben ihre Waffen verkauft. Darüber hinaus: Welches Bild ruft eine von auswärtigen Mächten aufgestellte, im Ausland geschulte und mit einem ausländischen Auftrag versehene Truppe hervor? Richtig, das Bild einer Söldnerarmee. Schnell käme der Vorwurf auf, das seien doch alles bezahlte US-Söldner, denen könne man nicht trauen. Womit wir wieder beim Thema Besatzungsmacht wären, siehe oben.

Es wird deutlich, alle bisher auf dem Tisch liegenden Optionen erweisen sich näher besehen als Luftnummer. Die Lehre der Geschichte lautet: Wer einen Krieg beginnt, sollte wissen, wie er wieder rauskommt. Wir sollten uns zugestehen, dass wir noch nicht genug wissen und uns nicht aus Überheblichkeit und Selbstgewissheit jetzt in einen Krieg stürzen.

von Dr. Christian Weilmeier

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