Evolutionsbiologie menschenverachtend und frauenfeindlich

Wieder ein „Beitrag“ der Evolutionsbiologie. Diesmal geht es darum, warum Frauen überhaupt alt werden und nicht nach der Fruchtbarkeit einfach den Löffel abgeben. Fazit: Ältere Frauen gibt es nur, weil sie die Kinder der jungen Frauen versorgen. Sonst haben sie keine Bedeutung.

Diese Evolutionsbiologie, präsent in allen Medien, ist ein absolut brutales Weltbild. Ich weiß nicht, was das eigentlich noch von Nazi-Ideologie unterscheidet. Absoluter Materialismus, absolute Reduktion des Menschen auf den Fortbestand der Gene, der Mensch als reine Funktion. Menschenfeindlich bis ins Mark. Und dazu eine „Wissenschaft“ auf wackeliger Basis, wissenschaftstheoretisch umstritten. Übrigens: Vielleicht leben die Frauen ja länger und übernehmen deshalb auch, nicht nur, diese Funktion. Das Henne-und-Ei-Problem. Die Evolutionspsychologie ist noch schlimmer. Sie will nicht nur die gesamte Psychologie übernehmen, sondern auch noch die Soziologie überflüssig machen. Klar, wenn alles „Gen“ ist, dann brauche ich auch keine Gesellschaftserklärungen mehr. Ein totalitärer Anspruch.

von Dr. Christian Weilmeier

Der Artikel, auf den ich mich beziehe:

http://www.welt.de/wissenschaft/article146139575/Das-grosse-Raetsel-um-die-Langlebigkeit-der-Oma.html

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3 Gedanken zu “Evolutionsbiologie menschenverachtend und frauenfeindlich

  1. Guten Abend Dr. Weilmeier!

    Vor einiger Zeit war ich in eine Diskussion verwickelt, in der mir mein Gegenüber (eine radikale Feministin) erklären wollte, dass Männer in unseren heutigen Zeit überflüssig seien. Die Begründung dafür war, dass wegen Techniken wie der Invitrofertilisation die letze (sic!) Existenzberechtigung der Männer weggefallen sei. Männer könnten durch Reagenzgläser und Dildos vollständig ersetzt werden. Es sei lediglich einmalig notwendig, eine möglichst hochwertige Samenbank mit breitem Genpool anzulegen. Technisch gesehen ist das absolut richtig und wäre mit überschaubarem Aufwand sogar heute schon konkret umsetzbar.

    Nach dem Gespräch habe ich natürlich gehofft (und hoffe immernoch), dass mein Gegenüber lediglich einen kleinen radikalen Teil der Frauen repräsentierte und die übrigen Frauen uns Männer nicht nur als Funktionsträger eines evolutionären Auftrags betrachten.

    Warum Sie den Artikel als „frauenverachtend“ bezeichnen, erschliesst sich mir nicht.

    Weder haben der Artikel, noch die in ihm vorgestellte Theorie von Frau Hawkes den Anspruch, dem Leser ein vollständiges Welt- bzw. Frauenbild zu vermitteln. An keiner Stelle heisst es, dass der einzige Sinn und Zweck einer Frau die Erfüllung eines evolutionären Auftrags sei. Und an keiner Stelle heisst es, dass die Evolutionsbiologie die einzige Wissenschaft sei, die den Wert einer Frau beurteilen könne.

    Es ist mMn in dem Artikel klar ersichtlich, dass die portraitierte Wissenschaftlerin lediglich versucht, ein bisher ungeklärtes biologisches Phänomen (langer Zeitraum der Unfruchtbarkeit nach Menopause) vor dem Hintergrund bzw. innerhalb des Rahmens der Evolutionstheorie zu interpretieren. Und dass WissenschaftlerInnen aus Gründen der Vereinfachung zunächst nur innerhalb der theoretischen Schranken ihres jeweiligen Fachgebiets argumentieren, ist völlig mMn normal.

    Wie hätte Frau Hawkes ihre Theorie vortragen müssen bzw. wie hätte Frau Heinemann den Artikel scheiben müssen, um dem Vorwurf zu entgehen, sie (bzw. die Evolutionsbiologie) sei „frauenverachtend“?

    Gruß Tomtom

    • Mein kleiner Beitrag ist in der Tat eine Polemik. Ich greife dabei auf weitere Hintergründe zum Thema Evolutionsbiologie und Evolutionspsychologie zurück, die ich im Artikel nicht genannt habe. Es sollte ja nur ein kritischer Einwurf sein und keine Gesamtdarstellung. In der Tat ist es aber so, dass diese Wissenschaften den Anspruch haben, grunsätzliche Welterklärungen zu liefern und andere Wissenschaftten überflüssig zu machen. Ich empfehle zum Einstieg die Artikel Evolutionsbiologie und Evolutionspsychologie in der deutschen und vor allem auch in der englischen Wikipedia. Beste Grüße

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