Colt-Militarismus der USA hat weltweit versagt

Natürlich liegen die Wurzeln weiter zurück, aber nach dem 11.September 2001 haben die USA mit massiven Militärschlägen reagiert. Verständlich, da die USA noch nie in dieser Weise auf ihrem Festland getroffen wurden. Wie es in der historischen Tradition der USA liegt, hat man gleich zum „big stick“ gegriffen und mit aller Gewalt zurückgeschlagen.

Was anfangs verständlich gewesen sein mag, hat sich in den letzten Jahren aber immer mehr verselbständigt. Das Militärische ist für die US-Politik und Gesellschaft immer wichtiger geworden. Bei meiner letzten USA-Reise fühlte ich mich an Erzählungen aus dem Deutschen Kaiserreich vor 1914 erinnert, wenn man erlebt wie sehr Uniformen zählen in der US-Gesellschaft und wie Uniformträger stets den Vortritt haben, auch z.B. an den Flughäfen. Es war der Eindruck einer militarisierten Gesellschaft. Diese Militarisierung setzt sich in viele Bereiche fort, bis nach Hollywood und in die Fitness-Szene. Überall sind die „men in service“ das Vorbild, überall werden die Werte des Militärs hoch gehalten.

Wer alles durch die Brille des Militärs sieht, der bekommt Scheuklappen, der vertraut sehr schnell auf die scheinbar einfache militärische Lösung. Diese Entwicklung können wir in den letzten Jahren beobachten: Afghanistan, Irak, Libyen, Pakistan, Bekämpfung des Islamischen Staats IS usw.

Das Problem bei der ganzen Sache ist, dass diese ganzen militärischen Operationen nie einen nachhaltigen Erfolg hatten. Wir schauen alle ehrfürchtig auf die Kampfkraft der US-Armee, erstarren vor der Härte mit der „Terroristen“ ohne Urteil auf der ganzen Welt von US-Drohnen exekutiert werden. In immer mehr Debatten, gerade wenn es um den IS geht, merkt man selbst in Deutschland wie der alle erlösende Militärschlag herbeigesehnt wird. Man übersieht dabei dessen langfristige Wirkungslosigkeit: in Afghanistan herrschen zum großen Teil wieder die Taliban, im Irak der IS, Libyen ist im Chaos, Syrien versinkt im Bürgerkrieg.

Dazu kommen die Drohnenangriffe in der pakistanischen Region Waziristan. Hurrah rufen die Amerikaner, wir töten dort Islamisten am laufenden Band. In Wirklichkeit führt dieser Drohnenkrieg aber zur Flucht der Taliban nach Karatschi, der mit 15 Mio. Einwohnern größten Stadt Pakistans. Dort übernehmen sie ein Stadtviertel nach dem anderen, durchaus begrüßt von der örtlichen Bevölkerung, die sich Schutz vor der Mafia erhofft. Inzwischen beherrschen die Taliban rund 20 Prozent von Karatschi. Falls sie diese Stadt unter ihre Kontrolle bringen, hindert sie fast nichts mehr an der Machtübernahme in Pakistan. Man sieht die fatalen Folgen einer Strategie, die nur auf militärische Macht setzt. Der Colt-Militarismus der USA ist weltweit gescheitert.

Während der Westen sich immer mehr in einen reinen Materialismus hineinbewegt, nimmt weltweit der Einfluss der Religionen zu. Wir haben dafür kein Sensorium mehr, wir stehen baff vor einer Entwicklung, mit der wir nichts anfangen können. Wir reduzieren deshalb alles auf ökonomische Frustration und suchen unser Heil im Militär. Die zunehmenden Konflikte in der Welt legen brachial unsere eigene Schwäche offen. Wir zappeln im Gespinst einer Geschichte, die sich einfach nicht so entwickelt, wie wir uns das vorstellen. Eine Ende dieses Zustandes ist nicht in Sicht.

von Dr. Christian Weilmeier

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