Das Ende des Papsttums

Natürlich verdient der Papst Respekt für seine Entscheidung zum Rücktritt. Trotzdem hat dieser Schritt aber auch eine Schattenseite. Es kann gut sein, dass er den Anfang von Ende des mystischen Charakters des Papstamtes markiert. Bisher trat kein Papst zurück, egal wie schlecht es ihm ging. Er war ein von Gott ausgewählter, ja Gezeichneter. Papst war nicht irgendein Amt. Ein Papst verließ den Vatikan nur noch mit den Füßen nach vorne. Das gab dem Amt auch die Aura und die Autorität und die Macht.
Jetzt aber wirkt das Amt seltsam entmystifiziert. Ein alter Mann fühlt sich schwach und geht – wie ein Bundeskanzler, der amtsmüde geworden ist. Ein schaler Beigeschmack bleibt. Die Geschichte wird es zeigen, aber es kann gut sein, dass Ratzinger das Amt beschädigt hat. Sein Nachfolger wird sich daran messen lassen müssen. Geht der dann auch wieder, wenn er zu schwach ist oder keine Lust mehr hat?
Bisher wurde noch kein rechtmäßiger Papst von Gegnern zum Rücktritt gezwungen. Kommt das jetzt auch noch? Wird das Papstamt ein ganz normales Wahlamt? Die ersten deutschen Theologen fordern das schon. Womöglich hat Ratzinger das Papsttum beschädigt. Wir erleben das Ende des uns bekannten Papsttums. Wieder ist die Welt nüchterner und weniger mystisch geworden.
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