Steinbrück – Abkanzler statt Bundeskanzler

Steinbrück bezeichnet Berlusconi und Grillo als Clowns. Italiens Staatspräsident Napolitano sagt deshalb ein Treffen mit Steinbrück ab. Respekt vor Napolitano. Unabhängig von seiner eigenen politischen Meinung stellt er sich schützend vor die demokratisch gewählten Politiker seines Landes. Man hält zusammen, so muss das sein. Steinbrück soll mal die Luft anhalten und nicht jeden unflätig abkanzeln, der ihm nicht passt. Deutschland braucht einen Bundeskanzler und keinen Abkanzler.

Das alles ist keine zufällige Entgleisung von Peer Steinbrück. Er macht das immer so. Er nennt das dem Volk aufs Maul schauen. In Wirklichkeit geht es ihm darum, aufs Maul zu hauen und zwar jedem, den er vom Mount Everest seines Egos für eine Null hält. Mit ihm als Bundeskanzler bekäme Deutschland endgültig die Rolle des europäischen Großmauls, wie es sich unter Merkel schon andeutet. Der Witz dabei ist, dass Steinbrück noch weit „europäischer“ ist als Merkel. Während Merkel zumindest verbal noch gegen Eurobonds und Transferunion Rabatz macht, ist Steinbrück bedingungslos dafür.

Das zeigt: Hinter seinem großmäuligen, ja manchmal schon größenwahnsinnigen Auftreten ist Steinbrück ein Weichei. Hunde, die bellen, beißen nicht. Das passt zu ihm. Mit ihm verlöre Deutschland beides: Ansehen und Eintreten für deutsche Interessen.

Will Steinbrück Bundeskanzler werden, dann muss er sich ändern in Stil und Programm. So kann er nicht weitermachen. Deutschland braucht einen Bundeskanzler und keinen Abkanzler.

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Das Ende des Papsttums

Natürlich verdient der Papst Respekt für seine Entscheidung zum Rücktritt. Trotzdem hat dieser Schritt aber auch eine Schattenseite. Es kann gut sein, dass er den Anfang von Ende des mystischen Charakters des Papstamtes markiert. Bisher trat kein Papst zurück, egal wie schlecht es ihm ging. Er war ein von Gott ausgewählter, ja Gezeichneter. Papst war nicht irgendein Amt. Ein Papst verließ den Vatikan nur noch mit den Füßen nach vorne. Das gab dem Amt auch die Aura und die Autorität und die Macht.
Jetzt aber wirkt das Amt seltsam entmystifiziert. Ein alter Mann fühlt sich schwach und geht – wie ein Bundeskanzler, der amtsmüde geworden ist. Ein schaler Beigeschmack bleibt. Die Geschichte wird es zeigen, aber es kann gut sein, dass Ratzinger das Amt beschädigt hat. Sein Nachfolger wird sich daran messen lassen müssen. Geht der dann auch wieder, wenn er zu schwach ist oder keine Lust mehr hat?
Bisher wurde noch kein rechtmäßiger Papst von Gegnern zum Rücktritt gezwungen. Kommt das jetzt auch noch? Wird das Papstamt ein ganz normales Wahlamt? Die ersten deutschen Theologen fordern das schon. Womöglich hat Ratzinger das Papsttum beschädigt. Wir erleben das Ende des uns bekannten Papsttums. Wieder ist die Welt nüchterner und weniger mystisch geworden.