PR-Kampagne „Ich will Europa“: gefällige Bilder, gefühlige Slogans, moralischer Druck

„Ich will Europa“. Das ist doch wieder mal eine dieser politischen PR-Kampagnen, die auf gefällige Bilder und gefühlige Slogans setzen. Politiker mit PR-gestalteter Autoritätsaura vermitteln uns mit Parolen aus der PR-Retorte ein schlechtes Gewissen. Wenn wir Europa nur tief im Herzen wirklich wollen, dann geschieht es auch. Es geschieht jetzt nicht, also wollen wir bösen Menschen es noch nicht stark genug.

Finanztechnik und Fehlentscheidungen auf politischer Ebene und bei den Banken haben da natürlich nie eine Rolle gespielt. Dieses aus dem tiefen Innern hervorquellende Wollen, das die Welt verändert, das ist eine alte deutsche Denkrichtung, aufgrund der schon viel Unsinn verzapft wurde. So nach dem Motto: Europa kann man nur mit dem Herzen richtig sehen, sagt uns der Oberstudienrat in der schönen Anzeige. Wie gehabt. Die alte Gouvernante Staat ruft uns zur Ordnung und drückt auf die Tränendrüse.

Energieeffizienz führt nicht zu weniger Verbrauch

Die Steigerung der Energieeffizienz ist das Mantra der deutschen Politik. Weil wir die effiziente Nutzung der Energie steigern, wird der Verbrauch sinken. Dann können wir die EU- und UNO-Ziele erreichen und es kann auch gerne alles teurer werden, weil wir ja weniger verbrauchen. Falsch, sagt die Wissenschaft. Das steht jetzt auch in einem Bericht des Bundestags. Die effiziente Nutzung von Energie führt nicht in gleichem Maße zu weniger Verbrauch, sondern führt regelmäßig zu einem Mehrverbrauch („Rebound-Effekt“), der sogar jeden Spar-Effekt auffressen kann. Das weiß die Wissenschaft schon lange, nur von Politik und Lobbyisten wird das ausgeblendet. Ignoranz oder bewusste Strategie. Man kann es sich aussuchen.

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article108796448/Der-geplatzte-Traum-vom-Energiesparen.html

Star-Ökonom Nouriel Roubini: Zusammenbruch des Euro ist unvermeidlich

Star-Ökonom Nouriel Roubini sieht einen Zusammenbruch des Euro als unvermeidlich an. Retten könne man ihn nicht mehr, dafür seien die Voraussetzungen zu schlecht. Jetzt ginge es nur noch darum, ob man die Währungsunion gleich auflöst und damit zumindest die EU und den Binnenmarkt rettet oder ob alles scheitert. Roubini fragt, ob die EU-Regierungen wirklich das Haus riskieren, um die Garage zu retten.

Ich sage, ja das tun sie. Sie haben sich ideologisch zu sehr verrannt, ganze Politikergenerationen sind darauf geeicht. Die können nicht einfach auf den Knopf drücken und dann eine nationalstaatliche Politik machen. Sie werden es so lange hinauszögern, wie es geht, und dann wird es einen ungeordneten Zusammenbruch geben. Wie lange das noch dauert, weiß niemand. Aber dass es so kommt, ist wahrscheinlich. Dann haben unsere feinen Eliten innerhalb von 15 Jahren das europäische Projekt ruiniert. Dann müssen wir wieder von vorne anfangen. Die Idee Europa lebt weiter und wird sich anders durchsetzen.

Droht nun der „Rückfall“ in den Nationalstaat? „Rückfall“ ist ein Begriff, der den Fortschritt voraussetzt. Die Geschichte als Phantasmagorie eines Zeitstrahls von der dunklen Vergangenheit in die lichte Zukunft. Das sind alles Schemen aus der Mottenkiste des 19. Jahrhunderts. Die Geschichte kennt kein Vor und Zurück. Was passiert, wird nur von interessierter Seite danach dann entlang dieses Musters eingeordnet. Zudem ist ein Begriff wie „Rückfall“ irrational emotional aufgeladen und damit für eine offene politische Debatte untauglich. Niemand spricht ja auch von einem Rückfall ins vornationale Mittelalter, der uns durch die EU drohe. Entscheidend ist einzig, wie wir es zu unseren Lebzeiten schaffen, den Menschen ein würdiges Leben zu ermöglichen. Zur Würde gehört die Freiheit, die Selbsbestimmung des eigenen Schicksals, die Gerechtigkeit im Umgang miteinander, körperliche Unversehrtheit, eine faire Wirtschaftsordnung usw. Wenn die EU-Politik so weitermacht, verletzt sie alle diese Werte und dann ist an dieser politischen Richtung Grundsatzkritik zu üben. Zur Not muss dann eben vorübergehend wieder mit dem Nationalstaat regiert werden. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch und nicht ein ideologisches Konzept von der Zukunft. Das ist der Maßstab für politisches Handeln.