Brüsseler Finanzmagie – Die EU kopiert die Wall-Street-Zocker

Für jedes Problem gibt es eine Lösung, und wenn es keine seriöse gibt, dann eben eine unseriöse. An diesem Punkt sind nun die EU-Granden angekommen und begeben sich nun in ihrem fanatischen Willen den Krisen-Euro zu retten auf das Niveau der Wall-Street-Zocker. Das Geld reicht hinten und vorne nicht mehr, um den Schulden-Euro am Leben zu erhalten. Die Garantiesumme des Euro-Rettungsfonds muss dringend erhöht werden. Das ist aber politisch kaum mehr durchsetzbar, die öffentliche Meinung steht dem Milliarden-Monopoly der Euro-Raubritter immer kritischer gegenüber. Jetzt hat man sich was Neues einfallen lassen. Dazu hat man sich direkt aus dem Giftschrank der Finanzmagier an der Wall Street bedient. Das giftige Gebräu nennt sich Kredithebel und soll jetzt mit ein paar PR-Zaubertricks der Öffentlichkeit als wirksame Medizin verkauft werden.

Im Grunde geht darum, dass der Euro-Rettungsfonds nicht mehr die ganzen Schulden garantiert, sondern nur noch z.B. 20 Prozent davon. Das heißt, man könnte mit der gleichen Summe Geldes eine fünf Mal so hohe Summe garantieren. Das ist dann der „Hebel“. Genau mit solchen Papieren starteten vor einigen Jahren die selbst ernannten Finanz-Masters of the Universe der Wall Street in ihr Verderben, genannt Weltfinanzkrise. Das originelle an den Papieren ist nämlich die Regelung für den Fall des Kreditausfalls. Muss auf das Geld zurückgegriffen werden, dann übernimmt der Rettungsfonds 20 Prozent, den Rest aber die garantierenden Staatshaushalte. Übernimmt z.B. Deutschland einen Kredit vollständig und kann der Schuldner nur 50 Prozent zurückzahlen, dann sind nur 50 Prozent verloren. Im Fall des Kredithebels können die Verluste aber wesentlich höher sein, bis hin zum Totalverlust. Bei der Einführung eines Kredithebels wird die EU geschont, das ganze Risiko wird aber auf Staaten wie Deutschland abgewälzt. Die logische Fortsetzung einer Entwicklung, die wir schon seit dem Mai 2010 beobachten können.

Mit Hilfe eines solchen Hebels lässt sich die Garantiesumme fast beliebig erhöhen. Die Grenze liegt nur in der Glaubwürdigkeit. Ist der Garantieanteil des Euro-Rettungsfonds irgendwann zu klein, dann nimmt die Schuldpapiere keiner mehr. Dieses hochriskante Instrument wird nun geschaffen, weil die Euro-Politiker die Märkte beeindrucken wollen. Es geht so lange gut, wie man dieses Imponiergehabe ernst nimmt. Die Märkte sind aber bekannt dafür, dass sie irgendwann alles austesten. Und dann wird man den fatalen Multiplikationseffekt des Hebels erfahren. Fehlt eigentlich nur noch, dass man diese Euro-Schrott-Schuldpapiere in Fonds bündelt und nochmal verkauft. Dann hätten die Möchtegern-Einiger Europas endgültig das Niveau der sonst als das Böse schlechthin verfemten Wall-Street-Zocker erreicht.

Artikel zuerst veröffentlicht auf The Intelligence:

http://theintelligence.de/index.php/politik/kommentare/3431-bruesseler-finanzmagie-die-eu-kopiert-die-wall-street-zocker.html

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