Europäische Börsen im Abwärtstrend – Kreditwürdigkeit der USA verschlechtert

Nach Standard & Poor’s sowie Moody’s erhöht nun die Ratingagentur Fitch den Druck auf die US-Finanzpolitik. Die USA könnten die höchste Bonitätsnote „AAA“ einbüßen, wenn die Schuldenobergrenze nicht rechtzeitig angehoben werde. Noch sind es nur Warnungen der bekannten und einflussreichen Rating-Agenturen. Falls aber den Warnungen Taten folgen und die Kreditwürdigkeit der USA tatsächlich herabgestuft wird, dann sähe es düster aus, nicht nur für die USA, sondern auch für die Weltwirtschaft insgesamt. Eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit bedeutet, dass die Aufnahme von Krediten teurer und evtl. sogar schwieriger wird. Je schlechter das Rating eines Schuldners, desto höhere Zinsen muss er bezahlen, will er sich Geld leihen. Die höheren Zinsen sind ein Risikoaufschlag, weil bei einem schlecht bewerteten Schuldner natürlich die Rückzahlung gefährdeter ist als bei einem guten Schuldner. Höhere Zinsen zahlen zu müssen, wäre für den Schuldenweltmeister USA ein harter Schlag und könnte auch die Weltwirtschaft in Gefahr bringen.

Die drohende Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit belastet zunehmend auch die Börsen in Europa. Dazu kommen Sorgen um die Konjunktur in den USA und natürlich die Euro-Schuldenkrise. Ein Cocktail, der den Anlegern zunehmend unangenehm schmeckt. Es grenzt fast schon an ein Wunder, dass sich die Börsen überhaupt so lange gegen die widrigen Umstände resistent zeigten. Das liegt natürlich an dem noch herrschenden Wirtschaftsaufschwung, aber auch an dem Mangel an attraktiven Möglichkeiten zur Kapitalanlage. Die Zinsen in Euro-Land sind niedrig, da investiert so mancher in Aktien und hofft dort auf etwas Rendite. Die Skepsis aber steigt und wird weiter steigen. Es ist schwer vorstellbar, dass vor dem Hintergrund der Schuldenkrise und unsoliden Wirtschaftens der Regierungen der Aufschwung noch lange weitergeht. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) berechnete Index zur Konjunkturerwartung ist jüngst um 6,5 Punkte auf 7,6 Zähler gefallen. Ein Signal, dass die Schuldenkrise irgendwann auf die Märkte durchschlägt. Da werden auf Dauer die Beruhigungsfloskeln der Notenbanken kaum helfen.

Wie jede Woche ist auch diesmal Griechenland für Schlagzeilen gut. Jetzt ist klar, dass das erste Hilfsprogramm in Höhe von 110 Mrd. Euro das Land nicht retten konnte. Man glaubt nicht mehr, dass die Hellenen 2012 schon wieder auf die Beine kommen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will eine Umschuldung Griechenlands unter Einbeziehung privater Schuldner. Frankreich lehnt dies ab, um die eigenen Banken zu schützen.  Das muss eine herbe Enttäuschung sein für den so frankophilen Bundesfinanzminister. Eine Umschuldung würde bedeuten, dass die Schuldner auf Teile der Schulden verzichten bzw. die Rückzahlung strecken. Es ist eigentlich nicht einzusehen, warum private Gläubiger nicht auch einen Teil der Lasten schultern sollten. Neu ist, dass die Europäische Zentralbank EZB ihre harte Ablehnung einer griechischen Umschuldung relativiert. EZB-Chef Jean-Claude Trichet spricht dabei nicht von einer generellen Umschuldung, sondern bezieht sich auf eine begrenzte Schuldenstreckung. Es ist ein Kompromissangebot, eine Wendung die aufhorchen lässt. In jedem Fall wird es nun aber ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland geben. Die Verhandlungen laufen bereits. Abwarten, ob die Strategen in den europäischen Hauptstädten in der Lage sind, das unkontrollierte Abrutschen Griechenlands in den Griff zu bekommen.

Da fragt man sich, wie eigentlich das Thema „Euro-Krise“ bei den Menschen ankommt. Ich habe mich dazu mal umgehört in Landshut. Die Stadt ist Teil der Metropolregion München und besitzt eine gut situierte bürgerliche Struktur. Keine Superreichen, aber alle können hervorragend leben. Das liegt auch an der hohen Präsenz des öffentlichen Dienstes dort und am Werk eines großen Automobilkonzerns. Die „Euro-Krise“ ist in der Stadt nicht wirklich präsent, bestenfalls noch das Thema Inflation. Es gibt eben keine Existenzsorgen. Wer als Automobilarbeiter 50 000 EUR oder mehr im Jahr verdient, der muss nicht so schnell zittern. Andreas Breiteneicher von FP Finanzpartner AG wundert das nicht. Der Normalbürger finanziere sein Haus, lege sich Versicherungen zu, der hätte nicht viel Bargeld übrig, um das er sich Sorgen machen müsse. Nur bei Leuten, die ein paar hunderttausend Euro anzulegen hätten, sieht er ein gesteigertes Interesse. Oder bei Menschen, deren Arbeitsplatz unsicher ist, weil die auf ihren Spargroschen existenziell angewiesen seien. Darüber hinaus Menschen zwischen 50 und 65, die als Rentner Bargeld halten wollen und deshalb nicht mehr alles Geld in Immobilien stecken.

In einer Hochburg der Etablierten wie Landshut ist das Bewusstsein der Krise also trotz der öffentlichen Debatte noch nicht angekommen. Ein interessanter Lackmustest, aber nicht mehr. Es gibt ja noch ganz andere Gegenden in Deutschland. Eine seltsame Allianz des Krisenbewussteins: Reiche und ökonomisch Gefährdete versus etabliertes Bürgertum.

Der Artikel ist zuerst erschienen in The Intelligence:

http://www.theintelligence.de/index.php/politik/kommentare/2776-europaeische-boersen-im-abwaertstrend-us-kreditwuerdigkeit-verschlechtert.html

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