Griechenland plant offenbar insgeheim den Euro-Austritt

Was für eine Woche! Zuerst ein Crash der Rohstoffmärkte und jetzt droht der Euro-Crash. Was ist passiert? Im Grunde nichts, was nicht zu erwarten war. Trotzdem, wenn es kommt, dann ist die Öffentlichkeit verblüfft.

Seit Monaten erleben wir einen Boom an den Rohstoffmärkten, alles stieg rasant, vom Öl bis zum Gold. Wirtschaftsexperten redeten einen Aufschwung herbei. Kleinanleger, die dem Braten nicht trauten, flüchteten in Gold und Silber, dies unter höhnischen Kommentaren der „Experten“. Parallel dazu die Botschaft: Der Euro ist sicher. Wir haben alles im Griff. Und jetzt platzt die Blase bei den Rohstoffen und bald womöglich auch beim Euro.

Allerdings, wenn man genau hinsieht, dann gibt es doch einige interessante Hinweise, dass nicht nur der Zufall im Spiel ist. Beispiel Silberpreis. Die US-Börse Comex erhöhte in kurzen Abständen mehrmals den Anteil, den Händler bei Termingeschäften mit Silber als Sicherheit hinterlegen müssen. Für Investoren wurde es deshalb immer teurer und riskanter Geschäfte in Silber zu machen. Ein gewollter Silber-Crash? Kann gut sein, dass im Hintergrund gedreht wird, um den Preis zu drücken und die Kleinanleger zu vertreiben. Dann können sich Groß-Investoren billig mit Edelmetallen eindecken und sind gut gerüstet, wenn die Krise weitergeht. Verblüffend ist nämlich, dass zum Beispiel Mexiko gerade jetzt den größten Goldkauf seiner Geschichte durchgeführt hat, 100 Tonnen. Das Vertrauen in das internationale Finanzsystem scheint bei der mexikanischen Regierung nicht sehr ausgeprägt zu sein. Ein weiterer Grund für den Crash am Rohstoffmarkt ist die Erkenntnis, dass es mit dem Wirtschaftsaufschwung doch nicht so weit her ist. Langsam müssen die internationalen Steuermänner die Hosen runterlassen.

Dazu passt die jüngste Meldung von Spiegel Online, dass Griechenland plane aus dem Euro auszutreten. Das wäre der Gau für die Ersatzreligion Euro und das nicht nur psychologisch. Natürlich wurde alles umgehend dementiert. Beim gestrigen Krisen-Treffen einiger wichtiger Finanzminister des Euro-Raums in Luxemburg wurde bestritten, dass man darüber überhaupt gesprochen habe. Das klingt noch weniger als unglaubwürdig.

Eins ist klar. Die Krise des Euro erweist sich als praktisch unlösbar. Unzählige Konzepte wurden in den letzten Monaten hin und her gewälzt. Ohne Erfolg. Zuletzt wurde auch eine Umschuldung, das heißt de facto ein teilweiser Schuldenerlass, diskutiert. Aber auch diese „Lösung“ könnte das europäische Bankensystem in den Orkus stürzen. Zu viele Banken haben zu viel in Griechenland investiert, als dass sie jetzt so einfach darauf verzichten könnten.

Das spielt aber ohnehin alles keine Rolle, denn die herrschenden Politiker erweisen sich als unfähig, überhaupt auch nur irgendeinen substanziellen Lösungsversuch in Angriff zu nehmen. Alles ist ihnen zu riskant, vor allem haben sie Angst. Das führt dazu, dass sie gar nichts machen und die Krise weiter verschärfen. Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro hätte natürlich weitreichende Folgen: Milliardenverluste für europäische Banken und Regierungen, womöglich Wirtschaftskollaps in Griechenland wegen Verfall der neuen Drachme, und vor allem ein Schlag gegen die Glaubwürdigkeit des Euro, von dem er sich nie wieder erholen würde. Nach einem Austritt Griechenlands würde niemand den Euro-Regierungen mehr glauben, wenn sie behaupten, der Euro sei sicher. Die Spekulanten würden sich sofort Irland, Spanien oder Italien vorknöpfen. Das wäre der Todesstoß für das Hätschelkind der politischen Klasse in Europa.

Man sieht, alles nur Strategie. Wer denkt an den Bürger? Niemand. Mut zur Zukunft? Fehlanzeige. Man wurstelt weiter. So lange, bis als einzige Konsequenz die vollständige Auflösung der Euro-Zone bleibt. Das wird erst passieren, wenn die Euro-Ritter den Kampf gegen die Windmühlen der ökonomischen Fakten endgültig aufgegeben haben. Und dann darf auch der Bürger wieder ins Spiel kommen. Dann wird es heißen, wir alle müssten jetzt Opfer bringen und im Übrigen sei Ruhe die erste Bürgerpflicht. Mal sehen, ob sich die Menschen, aber nicht doch daran erinnern, wer die Verursacher des Niedergangs sind und auf die Straße gehen. Democracy reloaded.

Zuerst veröffentlicht auf The Intelligence:

http://theintelligence.de/index.php/politik/kommentare/2600-griechenland-plant-offenbar-insgeheim-den-euro-austritt.html

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