Aufstand in Libyen gerät ins Stocken

Diktator Gaddafi handelt ganz anders als andere Diktatoren der letzten Jahre. Wir kennen das ja: es kommt zum Aufstand, der Diktator bezieht nur unklar Stellung, er taucht aus der Öffentlichkeit ab, wirkt verunsichert, die Armee zögert beim Eingreifen, der Aufstand schwillt an, der Diktator wird noch unsicherer usw. Am Schluss läuft der Machthaber einfach davon, zur großen Schlacht kam es nie.

In Libyen macht es Gaddafi völlig anders: jeden zweiten Tag TV-Auftritt, Präsenz zeigen, brutal reden, bereit sein zu sterben, die Armee strikt führen und hart durchgreifen lassen, gezielte Gräueltaten gegen Aufständische usw. So gelingt es ihm die Armee zu stabilisieren und die Opposition zu verunsichern. Alle wissen, sie haben es mit einem zu allem fähigen Mann zu tun. Das schüchtert ein. Dazu hat sich Gaddafi auf sowas vorbereitet durch gezieltes Anwerben von skrupellosen Söldnern und den Aufbau von nur ihm ergebenen Elite-Truppen.

Der Westen wirkt verunsichert, steckt in der Bredouille. Ein militärisches Eingreifen in Libyen hätte unabsehbare Folgen, ein Nichthandeln aber auch. Ein Sieg Gaddafis wäre ein verheerendes Signal, dann wüsste in Zukunft jeder Diktator, was er zu tun hat.

Quelle:

http://www.handelsblatt.com/politik/international/die-libysche-revolution-verliert-an-kraft/3916472.html

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4 Gedanken zu “Aufstand in Libyen gerät ins Stocken

  1. ich hoffe darauf, dass ein permanenter medialer Druck, ob per Internet oder Papier-Zeitung, auf diplomatischer oder juristischer Ebene (Den Haag) auf die Dauer das Denken in militärischen Rastern (auf beiden Seiten) besiegen wird. Die Dominanz von Waffen und Munition im Libyschen Konflikt zeigt, dass beide Seiten diesen wesentlichen Kultur-Schritt noch nicht komplett vollzogen haben – obwohl beide Parteien mit einem Bein oder mit einem Auge bereits den Informations-Kampf parallel betreiben. Vielleicht werden sie irgendwann begreifen, dass nur der Informations-Kampf bereits ausreichend ist. So hat das unser Immanuel Kant zumindest gesehen, als er die Französische Revolution betrachtete. Hoffentlich gibt es nicht zu viele Tote, bevor diese Einsicht sich durchsetzt in Libyen. In Ägypten war man schon eher auf solidem Weg in eine Kultur-Nation. In manchen Regionen dauert es halt länger, bis der sprachliche Disput die Orientierung leitet und nicht die Waffengewalt. Eine Einsicht, die das militärische Afghanistan Engagement Deutschlands vielleicht auch einmal einem methodischen Zweifel unterzieht.

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