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EU-Gipfel beschließt Fiskalunion

Ergebnis des EU-Gipfels: Euroland marschiert jetzt ohne Großbritannien in die Fiskal- und Transferunion. Damit alles schneller geht und man die Zustimmung der Bürger nicht braucht, macht man einen eigenen Vertrag zwischen den Staaten, rechtlich außerhalb der EU. Es kommt also was Neues. Die Engländer sagen, dann dürften diese Länder aber die EU-Institutionen nicht mehr nutzen. Jetzt entsteht womöglich ein doppelter Wasserkopf, der uns Geld kostet.

Dazu wird es jetzt keine Beteiligung von privaten Gläubigern an der Lösung des ganzen Schuldenchaos geben. Die Banken sind fein raus. Glückwunsch. Jetzt zahlt der normale Bürger alles selbst. Die Banken werden von der Politik gerettet. Wer rettet uns Bürger? Das schert offenbar niemand in der Politik. Der Bürger hat keine organisierte Lobby, wie die Banken. Er muss sie sich endlich schaffen.

Weiteres Detail: Die neue europäische Wirtschaftsregierung kann künftig ohne Zustimmung des Parlaments Beschlüsse treffen, sie befindet sich ja außerhalb des EU-Vertrags. Ein demokratiepolitischer Skandal. Jeder kann für sich selbst urteilen, wie man eine Regierung nennt, die ohne Parlament regiert. So etwas darf es im Europa von heute nicht mehr geben.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802617,00.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802676,00.html


Wider das Gerede vom deutschen Sonderweg

Deutschland stimmt seit einiger Zeit nicht mehr bedingungslos allem zu, was aus Brüssel kommt. Der bekannte CDU-nahe Publizist Michael Stürmer sieht in dieser Entwicklung gleich wieder den deutschen Sonderweg dräuen und wirft die Totschlagsbegriffe “Isolationismus” und “Neutralismus” in die politische Landschaft. Die Nerven liegen bei manchen offenbar blank. Der European Council on Foreign Relations wird als einer der Hauptkritiker der aktuellen deutschen Politik zitiert. Stürmer zeigt sich empört, dass das schön zementierte Gefüge der europäischen Einbindung Deutschlands nun ins Wanken gerät, so hätten sich das die Siegermächte bei der Wiedervereinigung 1990 nicht vorgestellt.

Der Kommentar Michael Stürmers in der “Welt” offenbart eine eigenartige Form von Politikvorstellung. Richtig ist immer das, was der Westen in Form von USA, Großbritannien und Frankreich gerade will. Eigenständiges Denken unerwünscht. Der demokratische Wille der Bürger taucht in diesem Konzept gleich gar nicht auf. Meiner Ansicht nach ist der Westen mehr, als nur der jeweilige Wille der Regierungen. Wenn der Begriff  ”Westen” überhaupt einen Sinn haben soll, dann steht er für Demokratie, Volksherrschaft, Meinungsfreiheit, selbständiges Denken, Marktwirtschaft. Wer in dieser Tradition steht, steht in der Tradition des Westens und kann nicht ausgegrenzt werden. Ich glaube, die Geschichte lässt sich nicht einzementieren.

Wenn die deutsche Regierung die Kriegspolitik in Libyen für verfehlt hält, die Gelddruckmanie in Brüssel skeptisch sieht und sich eigene Gedanken über die Zukunft Europa macht, dann ist das kein dämonischer Sonderweg, sondern im Gegenteil der Beweis, dass Deutschland im Westen angekommen ist.

Quelle:

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13259071/Deutschland-verspielt-das-Vertrauen-seiner-Partner.html


Britischer Premier Cameron: Muskulöser Liberalismus statt Multikulturalismus

Der britische Premierminister David Cameron vertrat heute auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Ansicht, dass der Multikulturalismus durch einen “aktiveren, muskulöseren Liberalismus” abgelöst werden solle. Ein ziemlich originelle politisch-korrekte Wortschöpfung, die es Wert ist, festgehalten zu werden. Er formuliert es eleganter als Angela Merkel, meint aber das Gleiche. Das politische Konzept der multikulturellen Gesellschaft sei gescheitert, das ist der gemeinsame Nenner von Merkel und Cameron.

David Cameron sieht eine der Ursachen der schwierigen Integration in einem Mangel an nationaler Identität der europäischen Nationen. Meinungsfreiheit, Demokratie und gleiche Bürgerrechte müssten stärker vom Staat vertreten werden.

Die Proteste in der arabischen Welt zeigten, so Cameron, dass westliche Werte und Islam “vollständig kompatibel” seien.

Quelle:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743763,00.html

 


Ägypten und die Heuchelei des Westens

Nun sind sie wieder unterwegs, die politischen Klug- und Schönredner und sind selbstverständlich Feuer und Flamme für den Volksaufstand in Ägypten. Pure Heuchelei. Nur wenige sind so ehrlich wie der Chef von ARD-Aktuell, der zugab, dass sich mit der Zeit in seinem Hinterkopf die Teilung in liebe Despoten und böse Despoten eingenistet habe. In der Tat, wenn es um China und Iran ging, dann ging es immer auch um Menschenrechtsverletzungen. Vom Ausnahmezustand in Ägypten redete aber keiner, von den schon seit x Jahren aktiven Prügelgarden Mubaraks erst recht nicht.

Denn Mubarak galt als williger Diktator, den Islamismus unten und den Suezkanal offen zu halten. Der Westen war zufrieden, Hauptsache Stabilität, um weiter gut Geschäfte machen zu können. Die Millionen deutscher Ägypten-Touristen wollten natürlich auch nichts bemerken. Als dann das Pulverfass hochging, da waren die führenden Politiker konsterniert und rangen nach Worten, bis sie dann endlich zu Lippenbekenntnissen fähig waren. Kann durchaus sein, dass im Hintergrund immer noch augenzwinkernd Signale an Mubarak gegeben werden…

Das Schlimme ist, dass dieses Verhalten den Westen unglaubwürdig macht bei den arabisch-islamischen Massen. Mit dieser politischen Hypothek muss er nun leben.

Quellen:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,743364,00.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743164,00.html

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,743173,00.html

 

 


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