Erfolgreich sein kann doch jeder. So bringt man es aber zum richtigen Verlierer. Dr. Christian Weilmeier, Philosoph und Motivationstrainer, gibt Tipps, wie man es schafft, dass es steil abwärts geht, man alles verbockt und am Schluss als echte Niete dasteht.
Der Satz “Es gibt keine europäische Öffentlichkeit/kein europäisches Staatsvolk.” scheint eine allgemeine Weisheit, die sogar das Bundesverfassungsgericht teilt. Aber stimmt das noch? Es scheint so, dass gerade die Euro-Krise die Völker Europas zusammenschweißt. Es ist die Dialektik der Geschichte.
SPIEGEL online lässt sich heute wieder mal aus über das “Faulgas des Fernsehtrashs”. Gemeint ist der Promi-Frauentausch auf RTL II. Verhöhnt wird auch Ex-Boxer René Weller als “Boulevardfigur der Achtziger”.
Ich finde das bullshit, wenn irgendein Journalist, dessen Namen ich jetzt schon vergessen habe, sich über Leute abfällig äußerst, die in ihrem Leben zumindest irgendwann mal aus dem Sumpf des Durchschnitts herausgekommen sind. Weller hatte als Boxer seine Erfolge, hat sein Leben lang bis ins Alter hart trainiert und ist jetzt in einem Alter immer noch fit, in dem andere Männer längst alle Hosendimensionen gesprengt haben.
Dass jemand eine Figur des Boulevards ist, das wertet ihn auch nicht ab. Das Boulevard ist nur böse im Kopf halbgebildeter Intellektueller, die vor Arroganz nicht mehr laufen können.
Heute starte ich auf YouTube meine neue Video-Reihe “Brussels Bubble”. Brussels Bubble steht international als Fachbegriff für den Brüsseler EU-Politikbetrieb. Die erste Folge beschäftigt sich mit der “Zypern-Rettung”.
Ich halte es für problematisch, dass die Euro-Kritik sich jetzt durch das Auftreten der Alternative für Deutschland AfD parteipolitisiert. Die Auswirkungen spüre ich schon und sie werden stärker werden. Euro-Kritik ist keine rein konservative oder liberale Angelegenheit. Auch viele Linke kritisieren das undemokratische und selbstherrliche Gebaren der Euro-Retter. Die Kritik am Eurowahn wird jetzt in die parteipolitische Kiste gesperrt, wo sie nicht hingehört. Man merkt, dass Parteien in ihrer alten Form nicht mehr recht in die Zeit passen. Sie verleiten einen dazu, an ideologischen Fronten zu kämpfen, die in der Welt außerhalb Deutschlands längst veraltet sind. Ich kann mich ideologisch in dieses enge Korsett nicht einordnen.
Die AfD entwickelt sich von ihrer Struktur her zu einer konservativen oder rechtsdemokratischen Partei. Es werden zum Euro noch weitere Themen hinzukommen, die aus dem konservativ-bürgerlichen Weltbild kommen. Die Kritik an den Euro-Rettungsversuchen bekommt damit eine bestimmte parteipolitische Farbe und Einordnung, die viele nicht mehr mitmachen können. Viele Euro-Kritiker kommen aus dem linken oder basisdemokratischen Lager, viele andere sind eher undogmatische Pragmatiker und wollen nicht für eine bestimmte Weltanschauung vereinnahmt werden. Das gilt auch für mich. Ich kritisiere seit Jahren öffentlich die verfehlten Euro-Rettungsmaßnahmen, bin aber kein Konservativer und auch kein Vertreter einer bürgerlich-behäbigen Gesinnung. Es ist eine verfehlte Entwicklung, die Euro-Kritik in eine Parteiform nach altem Muster zu zwängen.
Ich spreche jetzt gar nicht darüber, ob der Stil der AfD richtig ist. Mit rechthaberischer Faktenhuberei und professoraler Arroganz kommt man nicht weit. Es hat keinen Sinn über gebrochene Verträge und Versprechen zu greinen, sondern man muss mit beiden Beinen in der Wirklichkeit stehen. Die Welt dreht sich weiter. Es kann durchaus sein, dass der Bundesstaat Europa die einzige Chance ist, dass wir in Zukunft noch irgendwas in der Welt zu melden haben, dass wir nur durch einen europäischen Staat die Freiheit behalten, über unser Leben zu entscheiden. Es geht bei der Euro-Kritik nicht um Ja oder Nein zu Europa, sondern es geht darum, dass die Menschen kontrovers informiert werden, was die Optionen sind und dass dann eine Entscheidung fällt.
Ein Bundesstaat Europa wäre keine Zuckerschlecken. Wir hätten die Verantwortung einer Großmacht, bräuchten höhere Militärausgaben, einen schlagkräftigen Geheimdienst und wären in viele Konflikte verwickelt. Auch die inneren Spannungen in Europa wären enorm, bis so ein Staat zusammengewachsen ist. Kein ruhiges Leben, aber wenn es die Menschen wollen, dann kommt es. Jetzt geht es darum, die Politik daran zu hindern, die finanziellen Grundlagen dieses Europas zu zerstören. Jetzt geht es darum, den Menschen eine Wahl zu geben, jetzt geht es darum für ein demokratisches Europa zu kämpfen. Dafür braucht es Persönlichkeiten und keine veralteten Parteistrukturen. Für einen seichten Aufguss der 80er Jahre ist keine Zeit mehr, wir sollten das Publikum nicht mit diesem Gedöns langweilen.
Der neue Papst Franziskus will also “an die Peripherie gehen”, da wo die Armen und Ausgestoßenen sind, da soll die Kirche hin. Die Kirche soll Evangelisieren und nicht selbstbezogen um sich kreisen. Klingt gut, aber die Voraussetzung dafür ist doch, dass die Kirche überhaupt weiß, was sie will. Welchen Glauben will sie verkünden, welchen Jesus denn? Frage 3 Theologen und du bekommst 4 Antworten.
Oder will der Papst überhaupt mit dem vielen Theologisieren Schluss machen, die Theologen entmachten und zur Tat schreiten in der Nachfolge Jesu. Da gibt es auch Andeutungen bei ihm, das wäre echt franziskanisch. Ich glaube aber nicht, dass er es wirklich so meint. Der Papst sieht die soziale Frage im Vordergrund, er kommt aus Lateinamerika. Dort gibt es auch einen Ansturm glaubensstarker Evangelikaler, die Druck auf die Kirche machen, sich zu bekennen und viele Katholiken abwerben. In Europa z.B. ist die Kirche aber schon in einer Glaubenskrise, die ja gerade durch das ganze Sozialengagement zugedeckt wird, es gibt keinen Druck erfolgreicher Glaubensradikaler von außen. Für den neuen Papst ist vieles selbstverständlich, was für viele gar nicht mehr selbstverständlich ist. Seine Reden sind Opium für deutsche Kirchen-Bürokraten.
Wenn man ein angeschlagenes und geschwächtes Reich ausdehnt, dann droht die imperiale Überdehnung. Vielleicht nicht in den glaubensstarken Regionen Afrika, Asien, Lateinamerika, aber in Europa. Hier müsste zuerst einmal der Kern der Botschaft gestärkt werden, man muss herausfinden, wo man vom Glauben her überhaupt steht, erst dann kann man nach außen gehen. Blinden Sozial-Aktionismus haben wir in der europäischen Kirche genug, erst müssten wir uns selbst neu evangelisieren, bevor wir die Anderen evangelisieren.